AG Jung / Barbeck
Arbeitsgruppenprofil

Die AG Jung/Barbeck arbeitet an der Entwicklung, Charakterisierung und standardisierten Prüfung von Biomaterialien für den Hart- und Weichgewebsersatz. Ziel ist es, neue Material- und Implantatkonzepte für Anwendungen in Dermatologie und Chirurgie wissenschaftlich fundiert zu bewerten und ihre biologische Verträglichkeit sowie regenerative Leistungsfähigkeit entlang definierter Testpfade zu belegen.
Ein zentraler Schwerpunkt ist die validierte Zyto- und Biokompatibilitätsprüfung von Biomaterialien in vitro und in vivo – inklusive der kontinuierlichen Optimierung von Testverfahren, um Innovationen schneller, verlässlicher und vergleichbarer in Richtung klinischer Anwendung zu überführen. Ergänzend verfolgt die Arbeitsgruppe Tissue-Engineering-Ansätze, um sowohl die Individualtherapie zu unterstützen als auch ex-vivo-Modelle für Untersuchungen zu etablieren und dadurch den Bedarf an Tierversuchen perspektivisch zu reduzieren.
Für den Hart- und Weichgewebsersatz stehen dabei insbesondere kollagenbasierte, degradierbare Gewebeersatzmaterialien im Fokus, wie sie z. B. in der Dermatologie, Zahnmedizin und Chirurgie eingesetzt werden. Die AG untersucht hier die Materialdegradation und die patientenrelevante Unbedenklichkeit systematisch, um Nebenwirkungen zu reduzieren und die Vorhersagbarkeit des In-vivo-Verhaltens zu verbessern. Parallel werden material- und anwendungsbezogene Themen wie additiv gefertigte (3D-gedruckte) Implantate sowie Hyaluron-Filler bearbeitet.
Methodische Plattform: von der Zellkultur bis zur ganzheitlichen Bewertung
- frühes Screening über Fibroblasten-Monokulturen zur Basis-Zytokompatibilität,
- erweiterte Analytik über Ko-Kulturen, Multikultur-Setups und Hämokompatibilitätsanalysen,
- Kleintiermodelle (u. a. subkutan, Kalotte) mit histopathologischen, histomorphometrischen, immunhistochemischen und bildgebenden (µCT) Auswertungen,
- sowie die Entwicklung eines ex-vivo-Prüfstands zur Simulation der In-vivo-Situation, um Ergebnisse zu korrelieren und die Reduktion tierexperimenteller Fragestellungen zu unterstützen.
Aktuelle Forschungsprojekte
WoundPro
WoundPro
Wundtiefenerfassung für chronische und komplizierte Wunden
Projektbeschreibung
Das Ziel des WundPro - Projektes ist die Produkt- und Verfahrensentwicklung einer innovativen vollautomatischen und nicht-invasiven universell einsetzbaren digitalen und KI-gestützten Wundtiefenmessung als auch automatisierter Wundranderkennung sowie Keimerkennung mittels digitaler Fotografie, Tiefensensorik und eines neuen modularen Kamera- und Wunddokumentationssystems, wodurch die Beurteilung der Regeneration chronischer und komplizierter Wunden verbessert wird.
Dabei soll neben einer neuartigen automatisierten Wundtiefenmessung – wobei sich daraus auch das Wundvolumen bestimmen lässt – auch die Art der Wunde sowie die Wundfläche (Schärfe bzw. Unschärfe der Wundränder) als prädiktive Parameter der Regeneration automatisch erfasst und dargestellt werden.
Es wird eine komplett automatisierte klinische und ambulante Wunddokumentation angestrebt, wobei die neu zu entwickelnde Kamera und das automatische Wunddokumentationsmesssystem in das Xototec Kamera- und Dokumentationssystem integriert werden soll und die wichtigsten klinischen Schnittstellen in bekannten IT-Systemen (u.a. SAP, Orbis, Medico usw.) abdeckt.
In der Gesamtbetrachtung wird im Rahmen des Projektes Hardware mit dazugehöriger Software entwickelt, welche in Mecklenburg-Vorpommern produziert werden und international zum Einsatz kommen soll.
Das in der geleitete DUK Teilprojekt strebt die Entwicklung, Messvalidierung und Darstellung eines für die Lernphase validen intersektoralen Registrierungssystems (stationär-ambulant-Homecare) für Wunden im Rahmen der Entwicklung dieser automatisierten und nicht invasiven Wundtiefenmessung mit dem Xototec Kamera- und dem Wunddokumentationssystem an. Dazu werden auch intersektorale Strukturen zur papierlosen, komplett automatisierten Wunddokumentation implementiert. Im Verlauf werden artifizielle als auch echte Wunden von Patienten gemäß den Vorgaben der Projektpartner dokumentiert, gescannt und ausgewertet.
Als Projektpartner unterstützen wir die übrigen Partner bei der Entwicklung durch unsere klinische Expertise als auch mit dem Zugang zu den hauseigenen Forschungslaboren sowie der Rekrutierung passenden Studienpatienten. In diesem Rahmen werden durch die UMR vorrangig die klinischen Studienaspekte (Validierung des innovativen Wunddokumentationssystems, Erprobung des Prototyps sowie Vergleich mit konventionell erhobenen Studien- bzw. Patientendaten) bearbeitet.
Das Vorhaben erhält finanzielle Unterstützung durch die Europäische Union über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und das Land Mecklenburg-Vorpommern.
Projektleitung und -Mitarbeiter
- Dr. Dr. Ole Jung (Projektleitung)
- Dr. Sven Panterrmehl (Projektkoordination)
- Bennedikt Schubert (Ärztlicher Mitarbeiter)
Förderung

Coltrack
Coltrack
Entwicklung von innovativen in vitro- und in vivo-Verfahren zur Bestimmung der Degradation kollagenbasierter Gewebeersatzmaterialien
Projektbeschreibung
Unsere Klinik forscht im Verbundprojekt »ColTrack« mit ihrem Partner, der BerlinAnalytix GmbH, derzeit gemeinsam an einem innovativen Verfahren zur qualifizierten und quantifizierten Ermittlung der Abbauprozesse von Kollagen bei Medizinprodukten. Entwicklung eines neuartigen Verfahrens sowie Verbindungsmoleküls zur Charakterisierung der in vitro-Degradation von Gewebeersatzmaterialien auf Kollagenbasis zum Zwecke der validen Prädiktion des in vivo-Abbauverhaltens
Degradierbare (Implantate, die sich abbauen und auflösen), kollagenbasierte Biomaterialien kommen in verschiedenen Medizin-, Arznei- und Kosmetikprodukten zum Einsatz, beispielsweise als Hart- und Weichgewebeersatz in der Zahnmedizin und in der Chirurgie als Medizinprodukt. Ebenso wird Kollagen auch als Trägermaterial in verschiedenen Kosmetik- und Arzneimittelprodukten oder Wundauflagen angewendet. Die Unbedenklichkeit der verschiedenen Kollagenmaterialien für die humane Anwendung steht dabei im Mittelpunkt und muss entsprechend angepasst und sichergestellt werden.
Mit dem bis Ende März 2025 laufenden Verbundforschungsvorhaben soll ein Verfahren entwickelt werden, um Kollagen für den Einsatz zu medizinischen Zwecken schneller und sicherer testen zu können.
„Das bessere Verständnis des Kollagenabbaus kommt direkt den Patienten zugute, weil Nebenwirkungen reduziert werden können“, sagte Prof. Dr. Steffen Emmert, Direktor der Klinik und Politik für Dermatologie und Venerologie. Zudem würde die translationale Forschung der UMR mit starken Industriepartnern in MV nicht nur die Gesundheitswirtschaft im Land stärken, sondern auch klugen Köpfen vor Ort eine Perspektive bieten.
Projektleitung und -Mitarbeiter
- Dr. Dr. Ole Jung (Projektleitung)
- Cindy Reinholdt (Projektmitarbeiterin)
Förderung
Das Projekt wird im Rahmen des EFRE Programms 2021 bis 2027 des Landes Mecklenburg-Vorpommern aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung der Europäischen Union und des Landes Mecklenburg-Vorpommern gefördert.





